20130423-104459.jpgÜblicherweise folgen Blogbeiträge nach einer Fahrveranstaltung einem relativ standardisierten Schema: man stellt eine These an den Anfang, beleuchtet dann die Pros und Contras und beantwortet am Ende des Berichtes die zu Beginn aufgeworfene Frage, um einen sauberen Spannungsbogen hinzubekommen. Im aktuellen Fall nach den Testrunden mit dem neuen Audi RS 6 Avant könnte das Intro lauten: ist es wirklich nötig, 560 PS in einen zwei Tonnen schweren, familientauglichen Kombi zu verbauen und ihn damit zum Porschejäger, aber auch zum Spritfresser zu machen? Und in diesem Fall durchbreche ich die übliche Vorgehensweise und beantworte die Frage schon jetzt: JAAAAAA! Das ist nötig. Und das macht auch Sinn. Denn die Teile werden gekauft. Nicht in Massen. Aber es gibt Leute, die sich dafür begeistern. Und was soll ich sagen. Ich bin genau einer davon. Ich mag die fetten Brummer, die gegen jede Vernunft hochgepimpt werden und mit brachialer Kraft, sattem Sound und edlem Interieur daherkommen. Mir hat vor Kurzem der Mercedes-Benz E 63 AMG S T-Modell verdammt viel Spaß gemacht. Und der Audi ebenso. Wen ich bevorzuge, das verrate ich erst am Ende. Wegen der Spannung, verstehste?Foto 19.04.13 10 54 56Ich seh mich durchaus als Teil der Zielgruppe für diese Boliden. Ein Kombi ist für mich die einzig mögliche Fahrzeugkategorie mit 3 Kids und immer reichlich Gepäck, Kinderwagen und so weiter. Ich spiele sogar ein bißchen Golf. Bin zwar weit von dem entfernt, was der Profi als Handicap bezeichnet. Aber ich habe so eine fette Tasche mit 14 Schlägern und dazu einen Trolley und will natürlich auch standesgemäß vorfahren. Meist sogar mit Flightpartner und seinem Equipment als Beifahrer. Und ich fahre gern schnell, bevorzugt auf Rennstrecken. Ach, und wenn ich nicht verheiratet wäre, dann wäre ich mit Anfang 40 voraussichtlich Single und auf der Pirsch. Und mit einem Audi RS 6 Avant in Daytonagrau matt wäre ich auf der Ü30-Party auf jeden Fall der hellste Stern am Himmel. Da können die sportlichen Zweisitzer mal gepflegt vom Hof rollen. Denn der Audi ist zum einen Understatement, auf der andere Seite steht er für Praktikabilität, Sportlichkeit, Familiensinn und eben dann doch wieder unbändige Kraft. Was für Attribute. Nur eine Sache fehlt mir, um wirklich zum erlesenen Kreis der Interessenten zu gehören. Entweder ein Job, der es mir erlaubt, eine mittlere 4-stellige Summe monatlich als Leasingrate zu berappen. Oder eben so viel Schmalli auf dem Konto, dass ich die gut 107.000 EUR für das Grundmodell auf den Tisch packen kann. Also bleibt dieses vollendete Sportgerät wohl weiterhin nur ein Traum.

20130423-104749.jpgEs gibt zum Glück dann auch eine Menge guter Gründe, warum man sich den Audi RS 6 Avant am Ende dann doch nicht anschaffen sollte. Da ist zuerst einmal der Verbrauch. Die vom Hersteller angegebenen 9,8 Liter sind utopisch. Denn dieser Wert erfordert eine effiziente Fahrweise. Die will ich aber nicht bei 560 PS. Ich will sportlich beschleunigen und die Kräfte spüren, wenn die acht Gänge durchgeschaltet werden. Und dann verblase ich eher eine Spritmenge oberhalb von 20 Litern durch die Brennräume. Das tut beim nächsten Tankstop spürbar weh im Geldbeutel. Dazu kommt der Sound. Der ist alles andere als optimal. Denn der kommt weniger aus dem Motor, sondern aus dem Heck. Durch Öffnen und Schliessen einer Klappe. Und so hört sich das eben auch an.Foto 19.04.13 14 21 39Auf der anderen Seite fallen mir deutlich mehr Gründe ein, warum ich den Rennstrecken-Kombi unbedingt haben will. Ich will den Top-Speed von 305 km/h erleben und König der linken Spur werden. Will in 3,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, indem mich der Vorwärtstrieb in die perfekt angepassten Sportsitze presst. Will geschmeidig alle acht Gänge durchlaufen lassen – oder selbst mit den kleinen Wippen hintern Lenkrad die Kontrolle über Schaltpunkte übernehmen. Der permanente Allrad gibt dabei in jeder Situation ausreichend Sicherheit. Wie auch zahlreiche Assistenzsysteme. Die ich aber nicht alle aufzähle, denn das tun meine Blogger-Kollegen, deren Links am Ende des Beitrages zu finden sind. Aus dem perfekt designten Cockpit kriegen mich keine 560 Pferde wieder raus. Die Sitzposition ist optimal, die Ergonomie passt und die Bedienbarkeit aller Instrumente ist intuitiv. Wenn dann noch der kleine Bang&Olufsen-Hochtöner beim Start ausfährt, bin ich auch hier total begeistert. Auf der Rückbank ist genug Platz für den Nachwuchs und der Kofferraum bietet ausreichend Stauraum. Also, Anschnallen und Abfahren! Navigation und Tempo lassen sich dabei ganz lässig und ohne zu stören im Head-Up-Display ablesen. Nettes Feature.Foto 19.04.13 11 32 23Fazit
Wenn Du bis hier gelesen hast und verstehst, was ich meine, dann brauchst Du kein Fazit. Du hast bereits angefangen zu sparen, denn Du hast jetzt einen automobilen Traum. Wenn Du aber noch zögerst, dann empfehle ich Dir die Berichte der anderen Blogger. Da erfährst Du mehr über Newtonmeter, V8-Biturbo und Twinscroll-Turbolader. Zum Beispiel bei Jens von rad-ab.com, Stefan von veight.de oder Arild von autorild.de. Aber ich kann Dir versprechen: überlasse Deinem Köpfchen die Entscheidung – und Du wirst wohl nie in den Genuss kommen, den Audi RS 6 Avant Dein Eigen zu nennen. Es spricht einfach zu viel dagegen. Du wirst Dich dann wahrscheinlich für einen soliden Familienkombi entscheiden. Und für rasanten Fahrspaß dann vielleicht noch einen sportlichen Zweisitzer. Und zum dezenten Cruisen noch was Kompaktes. Statt „Drei in Eins“ lieber alles separat.Foto 23.04.13 10 43 25Und um nun auch den Bogen zum Beginn des Textes zu schliessen: bei einer Wahl zwischen RS 6 Avant und E 63 AMG S T-Modell würde ich mich nach bisherigem Stand für den Audi entscheiden. Beim Sound liegt er zwar recht abgeschlagen hinten. Dafür ist er für mich vom äußeren und insbesondere inneren Erscheinungsbild die stimmigere Variante. Es passt alles perfekt zusammen und symbolisiert Eleganz und Sportlichkeit. Bei den Fahreigenschaften liegen beide dicht beeinander. Wobei ich mich im Mercedes E 63 AMG irgendwie gehetzt gefühlt habe. Das mag auch an den überfüllten Straßenschluchten von Barcelona gelegen haben. Klar strahlen die verschlafenen Dörfer rund um München etwas mehr Ruhe aus. Aber alles in allem habe ich mich im Audi einfach einen Tick wohler und trotzdem sportlich gefühlt. Und nur um Gefühle geht’s bei diesen Modellen.

Inzwischen haben ein paar weitere Autoblogger Ihre Eindrücke verarbeitet:
Blog AH-Wolfsburg – Jens Stratmann
trendlupe.de – Milos Willing
qarsi.de – Enno Reddies
weltdertechnik.de – Stefan Sprick
autokarma.de – Thomas Gigold