Mit den Hoodrides schwappte dieses Jahr zum ersten Mal ein neuer Trend aus den USA auf deutsche Autotreffen. Vorwiegend betagte Volkswagen auf Käferbasis in einem scheinbar jämmerlichen Zustand, unmenschlich tiefer gelegt und mit diversen Chrom-Accessoires behangen.
Grandiose Trendwende oder kurzlebige Randerscheinung? Wir beleuchten den Mythos „Hoodride“, Teil #1: WTF is Hoodride?

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Luftgekühlt, tief, rostig, Chromfelgen: Hoodrides!
Foto: www.hoodride.com

motoWHAT?: Hoodride #1
WTF is Hoodride?

Folgt man den Brotkrümeln zurück in die USA, stößt man dort zuerst auf den Gemeinschaftsblog unter www.hoodride.com. Als Derrick „DopeBeat“ Pacheco aus Colorado bei einem Gespräch vor dem Lieblings-Burgerladen nach seinem 64er Karmann Ghia gefragt wurde bekam das Kind seinen Namen. Der Ehrwürdige Volkswagen Cruiser hatte derben Rost angesetzt, rollte dabei auf edlen Chromfelgen und war bis zum Anschlag tiefergelegt. „Shit man… Now that’s a real Hood Ride.“

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Foto: www.hoodride.com

Ok, rostige und schrottreife Karren sehen schon urig aus. Aber steckt da noch mehr dahinter? Wenn man an der Oberfläche kratzt kommen sicherlich verschiedene Ansichten zu Tage. Während der Eine einfach mit wenig Mitteln einen Hingucker auf Treffen bewegen will, steckt für Derrick deutlich mehr im „Spirit of Hoodride“:

„Cars are a lot like… Girls. Sure, you could stroll into a Mercedes dealership and buy a brand car along with a brand new car payment. Talk about a high maintenance b*tch though! You can’t go camping in it, you have to keep the leather and paint looking nice and new, the stereo is at risk of being ripped off, it’s a pig on gas millage, it’s a high maintence girlfriend!

A Hood Ride is like a girl that keeps you happy, even if she’s a bit rough around the edges. She doesn’t want you to take her to the mall, she doesn’t ask you if she looks fat. In fact, she doesn’t require anything of you but your love. All of this, and she’s still a hottie! Now there is a difference between driving a beat down Honda and driving a low maintanance Hood Ride. The difference is that the Hood Ride still looks HOT.“

Im Klartext: Jeder kann sich mit dem nötigen Kleingeld einen Luxussportwagen zulegen. Aber Du legst Dir damit ein Schätzchen zu, in das Du jede Menge Kohle investierst, aber bei jeder Rangelei auf der Rückbank auf die Sitzbezüge (oder eben auf ihre lackierten Fingernägel) achten musst.

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Foto: www.hoodride.com

Hoodride als Szene-Gegenstück zu Hochglanzmagazinen und vergoldeten Unterböden. Leute, die Ihr ganzes Geld in ihr Auto stecken, nur um ein Statussymbol auf Rädern zu bewegen, sind Derrick ein Dorn im Auge. „Cars were first ment to be functional and second to be stylish. Who decided cars were first meant to be status and second to be fun and exciting?“

Für Hoodrider steckt deutlich mehr Charme in einer verwitterten Karosse, als in einem hochglanzpolierten Blechkleid. Denn eine aufwendige Lackierung kannst du Dir kaufen, Rost kommt nur mit der Zeit und somit einfach ehrlicher.

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Foto: www.hoodride.com

Dabei ist längst nicht alles Schrott was matt glänzt. Unter den gammeligen Karossen steckt meist liebevoll aufbereitete Technik. Auf komplett restaurierte Bodengruppen und aufwendig restaurierte Technik wird einfach das unbehandelte, verbeulte Häuschen gesetzt. Chromfelgen und Airride rein, fertig ist das Hoodride.

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Foto: www.hoodride.com

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Foto: www.hoodride.com

Verläuft hier die Grenze zu dem, was den Chefredakteur der VW Speed in der letzten Ausgabe im Intro auf die Palme brachte? Nachdem in der vorherigen Ausgabe noch ein deutscher Hoodride als „König der Ratten“ gefeatured wurde, gabs im nächsten Vorwort Schelte für die Hoodrider auf dem diesjährigen Volkswagen Meeting in SPA.

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Foto: www.bug-box.de

Im nächsten Teil:
motoWHAT?: Hoodride #2
Hoodride in Deutschland, zwischen TÜV und Trend.