Der zweite Teil des Westsidecars.de Reiseberichtes, reichlich bebildert berichtet Jens Wolfram von seiner diesjährigen Importtour in den Staaten.

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Hinterhof-Fund: Die Jungs von Westsidecars.de fahnden in den Staaten nach bezahlbaren Traumwagen.

Fortsetzung von #1

So und ähnlich haben sich viele Szenen abgespielt:
An der Ampel angesprochen, an der Tür geklingelt oder einfach so durch die Straßen gefahren. Unsere Mitreisenden haben uns oft überrascht angeschaut und gedacht: „…die haben sie nicht alle mehr beieinander.“ Doch hier laufen die Geschäfte halt etwas anders. Hier ist alles und jeder käuflich, da sind die Amerikaner leidenschaftslos und der Zweck heiligt die Mittel! …für uns ist das gut so!

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Weiter geht unsere Tour. Doch dann der Alptraum, der immer wieder unverhofft kommt. Rushhour, eine Sache an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Wer kennt sie nicht, die Bilder der endlosen Fahrzeuglawinen? Wir kennen jede dieser Szenen, wir haben sie alle erlebt. Egal, wir nutzen die Zeit, um weitere Telefonate zu führen. Wir versuchen pro Tag 7 – 10 Fahrzeugbesichtigungen hinzubekommen, das ist nicht leicht, aber sonst schaffen wir nicht eine Vielzahl von guten Autos zu finden.

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Super, es geht weiter, nächster Termin, ein Mustang, von weitem sieht er gut aus, dann die Ernüchterung wie so häufig, Bilder gut, erster Eindruck auch, doch dann die Enttäuschung. Huch, da waren doch mal früher Bleche, na jetzt ist da auf jeden Fall ein riesen Loch. Oh was ist denn das für´n Blech, Weißblech, Pepsi Dose, Schade! Da hört sich die nächste Besichtigung schon verheißungsvoller an.

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Soll ein sehr schöner MB 560 SL sein, netter Verkäufer, super Optik, Low Mileage, doch dann: „Mist“ schallt es unter dem Wagen, die berühmte Stelle beim SL, sie ist durch! Zwischenzeitlich war es Nacht und wir leuchten mit unseren Taschenlampen in Richtung eines Holzstapels! Blaue Plastikplane, eine Cup Felge, könnte ein Porsche sein, so sieht es jedenfalls aus. Kurze Frage an den Verkäufer, was steht denn da unter´m Stapel?? Oh, das ist mein nächstes Restaurationsobjekt. Können wir einen Blick darauf werfen? Klar! Holzstapel mal eben beiseite geräumt, abgedeckt und boooh, ein 911T Bj. 73, zerpflügt aber Karosse ist absolut rostfrei, eine Menge Teile liegen in dem Wagen, sieht nicht schlecht aus, kommt auf den Preis an. Kurz gedealt, Anzahlung und es war unser.

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Ja, so kommen wir an tolle Autos, denn in den Hinterhöfen und den versteckten Gegenden Amerikas gibt es sie noch, die Schätze!
Viele Besichtigungen und einer von vielen Tagen auf den weiten Straßen
Amerikas geht zu Ende. Was? 23:00 Uhr und noch kein Hotel? Wir sind wie die Nomaden, immer den Autos nach. Im Hotel ist die Arbeit für uns leider noch nicht zu Ende. Computer anschließen und schnell die Bilder an unsere Auftraggeber senden. Vor 3 Uhr Nachts kommen wir nicht ins Bett, leider ist die Nacht auch um 7 Uhr wieder vorbei.

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Wir ziehen eine kurze Zwischenbilanz, 6 Fahrzeugkäufe, 1500 Meilen tiefe Spuren im Asphalt, wenig Schlaf und die Begeisterung nimmt noch nicht ab. Einige Tage später erleben wir Unglaubliches, wir entdecken mal wieder nach dreister Fragerei einen Hallenkomplex so groß wie 2 Fußballfelder. Eine charmante Frau gewährt uns einige Einblicke in die Vergangenheit amerikanischer Automobilkunst. Sie und ihr verstorbener Mann teilten eine große Leidenschaft, sie sammelten alte und vor allem einzigartige/seltene Fahrzeuge.

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So konnten wir Chers Mustang, unzählige Spezialanfertigungen und
Sondermodelle,
das 100.000 Meilen Auto mit der Produktionsnummer 1, diverse T-Bird`s der Baujahre 55-56 bestaunen. Zwei hatten die Produktionsnummer 7 und 8, die meisten Fahrzeuge stehen hier schon über 35 Jahre, erzählte Sie uns.

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Bilder an den Wänden zeugten von Orten und Personen, die das Paar in den letzen 40 Jahren bereist hatten. Bekannte Gesichter, wenn die alle gekannt haben müssen! Für einen unserer Mitreisenden hat sich ein lang ersehnter Traum erfüllt, er suchte vergebens in Deutschland nach den 56er T-Bird im absoluten Originalzustand. Er ist fündig geworden und hat gleich zugeschlagen! 25.000 amerikanische Dollar ärmer, aber glücklich, sein Grinsen nahm kein Ende!

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Auch dieser Tag war sehr erfolgreich, alle sind auf ihre Kosten gekommen. Diesen Tag mussten wir feiern. Gut feiern tut man in Amerika gewöhnlich im Hooters, bei Bier und Chicken Wings. Unter den Eingefleischten hoffen wir sehr wohl bekannt?

So sahen viele unserer Tage aus, viel Arbeit aber auch sehr schöne Erlebnisse, die auch unsere Mitreisenden nicht vergessen werden. Denn wer kann schon so etwas berichten? Blumengärten voller Fahrzeuge, in einem standen über 50 Porsche bis Baujahr 1976, unterm Müll versteckte Cadillacs und Porsche 356, in der Wüste geparkte Mustangs Fastback, natürlich alle GTA´s unverkäuflich meinte der Besitzer, glauben wir nicht, sagten wir, und haben ihn eines besseren belehrt.

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Ford T-Modelle einfach so im Vorgarten oder in der Scheune, am Pool hinterm Haus aufgebaute Mustangs und andere Ford-Modelle, Schrottplätze voller seltener Stücke, vor einer kleinen Werkstatt stand ein MB 300 Flügeltürer, absolut Original, Erstlack und der steht da auch noch die nächsten 25 Jahre, wenn wir ihn da nicht wegkaufen!

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Die letzten Tage unserer Reise verbringen wir mit dem Einsammeln der gekauften Fahrzeuge. Schließlich müssen ja auch noch alle Fahrzeuge zur Spedition und für die Verladung vorbereitet werden. Bei unserer Spedition verlassen pro Monat 1000ende Fahrzeuge das Land und werden in alle Welt verschifft. Ein scheinbar endloser Fluss vom einem Kontinent zum anderen….aber nur scheinbar!

Wir haben nicht alle unsere Aufträge erfüllen können, so ist das halt, manchmal finden wir mehr Fahrzeuge von einem Modell als wir eigentlich suchen, andersherum lassen sich zu bestimmten Zeiten einige Modelle gar nicht finden. Wir nehmen es wie es kommt!

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Nach fast 3 Wochen Strapazen gönnen wir uns und unseren Mitreisenden eine kleine Belohnung. Zwei Tage Las Vegas, aber natürlich immer unter dem Vorbehalt weiterer Fahrzeugbesichtigungen. Wir sind immer auf der Jagd, kein Tag vergeht ohne! Der Abschluss der Reise war der Besuch des Pamona Swap Meet. Für Oldtimer-Liebhaber ein absolutes Muss und Highlight. In den Sonnenmonaten sind dort teilweise 5000 Fahrzeuge und mehr zu bestaunen, alle Baujahre und Hersteller. Unsere Mitreisenden waren jedenfalls so überladen, derart viele Fahrzeuge kann man in einer so kurzen Zeit in Deutschland nicht besichtigen, das reicht für 10 Leben.

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Auf dieser Reise haben wir gekauft:
T-Bird (1956), Porsche 911T (1973), 2 MB SL 560 (1988), Porsche 912 (1967), 2 Dodge Charger (1969), 2 Chevrolet Camaro (1968), 11 Mustangs (1965-1968), Lincoln Continental (1971), Dodge SuperBee (1970), 1 Pontiac Firebrid (1967), Porsche 911S (1972).

Und wenn Sie jetzt glauben dieser Trip ist schon vorbei? Irrtum, die vielen glücklichen Gesichter in Deutschland, Schweiz und Österreich, wenn sie ihr Wunschfahrzeug entgegennehmen…. Für uns unbezahlbar.

Jens Wolfram, www.Westsidecars.de

Kontakt:
westsidecars.de Limited
Dienstleistungen für klassische Fahrzeuge
Jens Wolfram
Am Ochsenzoll 15b
22850 Norderstedt

Telefon Jens: +49 (0)163-2780233
Telefon Stefan: +49 (0)178-1886760
E-Mail Jens Wolfram: jw@westsidecars.de
E-Mail Stefan Meyer: sm@westsidecars.de
Internet: www.westsidecars.de